16.09.2019

Veröffentlichung

Die richtige Rechtsform für Ihre Handelsvertretung

Welche Rechtsform ist die richtige für eine Handelsvertretung: rechtliche, haftungsrechtliche und steuerrechtliche Aspekte sind entscheidend.
Die richtige Rechtsform für Ihre Handelsvertretung

Es sind sehr unterschiedliche Gründe, die für oder gegen einen Wechsel der Rechtsform einer Handelsvertretung sprechen. Im folgenden Beitrag soll zunächst auf mögliche Motive für einen Rechtsformwechsel eingegangen werden. Sodann werden Kriterien für die richtige Rechtswahl erarbeitet und einzelne Rechtsformen vorgestellt.

Motiviert wird die Rechtswahl zumeist durch Haftungs- und Steuergesichtspunkte.

In Zeiten schleppender Konjunktur und unsicherer politischer Verhältnisse gilt es, das Privatvermögen vor Schaden zu bewahren. Insbesondere bei Handelsvertretungen, die einen beachtlichen Anteil an Eigengeschäften haben, also auch als Händler tätig sind, darf die zivilrechtliche Haftung gegenüber den Kunden nicht außer Acht bleiben. Dies gilt um so mehr nach der zum 01.01.2002 in Kraft getretenen Schuldrechtsreform, die beispielsweise eine Verlängerung der bislang 6-monatigen Gewährleistungspficht auf 2 Jahre mit sich bringt. Hier bietet sich ggf. eine GmbH an oder eine Firmenkonstruktion, bei der Besitz und Betrieb aufgeteilt werden. Eine derartige Aufteilung lässt sich beispielsweise dadurch bewerkstelligen, dass eine Betriebskapitalgesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH oder GmbH & Co. KG) Teile des Vermögens zur Nutzung erhält, während das bestehende Unternehmen als Besitzgesellschaft erhalten bleibt.

Von tragender Bedeutung sind steuerrechtliche Aspekte. Die Änderungen in der Steuergesetzgebung nehmen immer rasantere Formen an. Was vor 2-3 Jahren noch als Geheimtipp galt, kann heute schon überholt und steuerrechtlich nachteilig sein. Der Staat hat viele Schlupflöcher gestopft, aber auch neue Steuererleichterungen geschaffen, die wiederum nicht für alle Unternehmensformen greifen. Hier sei beispielsweise auf die Entlastung von der Gewerbesteuer durch Anrechnung auf die Einkommenssteuerschuld hingewiesen, die jedoch systembedingt nur für Einzelunternehmen oder Personengesellschaften (also z. B. nicht für eine GmbH) gilt. Eine pauschale Aussage, welche Gesellschaftsform steuerrechtlich die richtige ist, läßt sich indes nicht treffen. Experten warnen davor, die Rechtswahl für die Handelsvertretung einzig und allein auf steuerrechtliche Aspekte zu beschränken.

In der heutigen Zeit werden das Image einer Firma und das Marketing immer wichtiger. Eine "kleine" Handelsvertretung, beispielsweise geführt als Einzelunternehmen, vermittelt ggf. den Eindruck, den vielfältigen Anforderungen an eine moderne Handelsvertretung nicht mehr gerecht werden zu können. Die Handelsvertretung erhält dann vielleicht weniger Vertretungen bzw. Aufträge. Der Ruf, der hierbei die einzelnen Gesellschaftformen begleitet, ist sehr unterschiedlich. Eine GmbH wird von den Banken zuweilen als finanzschwaches Kleinunternehmen abqualifiziert. Aber auch der einst gute Ruf einer Aktiengesellschaft hat durch die aktuelle Börsenentwicklung Schaden genommen.

In Zeiten zunehmenden Wettbewerbs sind immer mehr "global player" gefragt.
Ein Unternehmen, welches einen Vertrieb aufbauen oder mit Handelsvertretungen neu strukturieren will, ist häufig daran interessiert, den Vertrieb in eine statt in mehrere Hände zu geben. Gesucht werden Handelsvertretungen, die flächendeckend arbeiten und eine Vielzahl von Aufgaben übernehmen können. Hier bieten sich Partnerschaften und Kooperationen an, wobei die konkrete Art und Weise der Zusammenarbeit von einer losen Kooperation bis hin zur gesellschaftsrechtlich verflochtenen Zusammenarbeit reichen kann.

Eine wichtige Überlegung ist auch die Nachfolgeregelung. Eine Handelsvertretung kann als Ganzes oder aber sukzessive an einen Nachfolger übergeben werden. Bei der sukzessiven Übergabe kann sich die Gründung einer Gesellschaft anbieten, um einen reibungslosen Übergang zu gewährleisten und den potentiellen Nachfolger im geschäftlichen Alltag zu testen. In jedem Fall sollten in den Gesellschaftsverträgen sowie testamentarisch rechtzeitig Nachfolgeregelungen getroffen werden.

Ist der Entschluss gereift, die Handelsvertretung neu zu organisieren, stellt sich die Frage, welche Kriterien für die Rechtswahl heranzuziehen sind.

Hierbei sind sowohl organisatorische und betriebswirtschaftliche als auch rechtliche und steuerrechtliche Aspekte zu berücksichtigen. Entscheidend ist stets die Interessenlage der Beteiligten.

Zunächst ist die Frage zu stellen, wer in der Firma das Sagen haben soll und wer die Firma nach außen vertreten darf. Diese Fragen der Geschäftsführung und Mitbestimmung sollten in jedem Fall im Gesellschaftsvertrag geregelt werden. Anderenfalls kann es ein böses Erwachen geben. Stellt sich beispielsweise heraus, dass sich der Kompagnon nicht bewährt hat, darf die gesellschaftsrechtliche Bindung nicht zu eng sein, sonst ist eine Trennung erschwert oder mit erheblichem finanziellen Aufwand verbunden.

Entschieden werden muss auch die Frage der Gewinn- und Verlustbeteiligung. Hier gibt es zwar gesetzliche Regelungen, diese sind aber in der Regel abdingbar, bieten also einen weiten Vertragsgestaltungsspielraum. Man unterscheidet z. B. stille, mitarbeitende und persönlich haftende Gesellschafter. Stille Gesellschafter werden entsprechend ihrer Einlage oder einer anderen Vereinbarung am Gewinn beteiligt. Mitarbeitende Gesellschafter erhalten in der Regel ein Gehalt, das sich am Gewinn orientiert. Bei geschäftsführenden und persönlich haftenden Gesellschaftern bietet sich eine Tantiemeregelung an. Darüber hinaus kann eine Pensionsberechtigung verankert werden. Über Gewinnausschüttungen und Gewinnrücklagen sowie Investitionen sollten alle Gesellschafter gemeinschaftlich entscheiden dürfen.

Neben der Frage der Entscheidungs- und Vertretungsbefugnisse, ist die Haftungsfrage von entscheidender Bedeutung, also die Frage danach, wer in welchem Umfang haften soll. Hierauf wird an späterer Stelle noch näher eingegangen werden.

Bei der Frage der Kreditwürdigkeit orientieren sich die Banken an den vorhandenen Sicherheiten und weniger an der eigentlichen Gesellschaftsform. Auch bei Kapitalgesellschaften, wie z. B. der GmbH, können private Sicherheiten zur Firmenfinanzierung gefordert werden.

Steuerliche Aspekte spielen bei der Wahl der Rechtsform eine tragende Rolle. Wie bereits oben erwähnt, gibt es viele systembedingte Unterschiede in der Besteuerung der einzelnen Gesellschaftsformen, so dass eine ausführliche Beratung mit dem Steuerberater in jedem Fall angezeigt ist. Bereits oben erwähnt wurde die unterschiedliche Besteuerung bezüglich der Gewerbesteuer. Zu erwähnen ist aber auch die unterschiedliche Besteuerung des Ausgleichsanspruchs. Während beim Einzelunternehmen und bei Personengesellschaften die sogenannte Fünftelregelung einen Steuervorteils beim Ausgleichsanspruch schaffen kann, so gilt diese Regelung beispielsweise nicht für Handelsvertretungen, die in Form einer GmbH geführt werden.

Von besonderer Wichtigkeit sind handelsvertreterrechtliche Konsequenzen, die sich aus der Wahl der Rechtsform ergeben. Dies gilt beispielsweise für ausgleichsrechtliche Fragen. Bei Einzelunternehmen besteht für den Handelsvertreter die Möglichkeit, das Vertretungsverhältnis aufzukündigen, wenn er aus Altersgründen (in der Regel ab Erreichen des 65. Lebensjahres) oder aus Krankheitsgründen nicht mehr in der Lage ist, die Vertretung fortzuführen. Anders als bei der "normalen" Eigenkündigung des Handelsvertreters, bei der grundsätzlich der Ausgleichsanspruch entfällt, bleibt hier der Ausgleich erhalten. Eine GmbH wird jedoch weder zu alt noch zu krank, so dass die Möglichkeit einer ausgleichswahrenden Eigenkündigung bei dieser Rechtsform (wie auch bei der Aktiengesellschaft) nicht besteht.

Zu beachten sind auch die für Gesellschaften vorgeschriebenen Veröffentlichungspflichten. Während bei Einzelunternehmen die Firmen- und Geschäftslage weitestgehend (mit Ausnahme gegenüber dem Finanzamt) geheim bleibt, so ist bei Kapitalgesellschaften eine jährliche Veröffentlichung der Bilanz vorgeschrieben.

Schließlich stellt sich die Frage nach den Kosten. Hierbei sind vor allem die Kosten für eine ggf. erforderliche Kapitalbeschaffung zu bedenken, aber auch Notarskosten, Gerichtskosten, Kosten für die Herstellung und Ausgabe von Aktien oder sonstiger Gesellschafteranteile sowie die Gründerkosten. Die vorgenannten Kosten sind grundsätzlich als Betriebsausgaben steuerlich absetzbar.

Wie immer im Leben hat alles Vor- und Nachteile. Dies gilt auch für die verschiedenen Unternehmensformen, die im folgenden kurz dargestellt werden sollen.

Die Einzelfirma ist sicherlich die verbreitetste Form der Handelsvertretung. Der Handelsvertreter hat allein das Sagen. Er haftet persönlich in vollem Umfang, also auch mit seinem Privatvermögen. Gewinne und Entnahmen können beliebig festgelegt werden.
Bei den Gesellschaften unterscheidet man grundsätzlich Personen- und Kapitalgesellschaften.

Die wichtigsten Personengesellschaften sind die Gesellschaft bürgerlichen Recht (GbR), die Kommanditgesellschaft (KG) sowie die Offene Handelsgesellschaft (OHG). Bei den Kapitalgesellschaften kennt man im wesentlichen die GmbH und die Aktiengesellschaft (AG).

Bei der GbR und der OHG haften alle Gesellschafter voll und unbegrenzt.
Die Geschäftsführung und damit die Vertretung der Gesellschaft trifft grundsätzlich alle Gesellschafter in gleichem Umfang. Einzelheiten können im Gesellschaftsvertrag geregelt werden. Bei der GbR handelt es sich um einen kleingewerblichen Betrieb, während es sich bei der OHG um einen kaufmännischen Betrieb handelt.

Bei der KG haften die Gesellschafter unterschiedlich. Während der sogenannte Komplementär unbegrenzt haftet, haftet der sogenannte Kommanditist nur begrenzt in Höhe seiner Einlage. Die Geschäftsführungs- und Vertretungsbefugnis obliegt allein dem Komplementär.

Bei der GmbH haften die Gesellschafter grundsätzlich nur begrenzt, während die Gesellschaft mit dem gesamten Gesellschaftsvermögen voll haftet. Die Gesellschafter können, müssen aber nicht, gleichzeitig auch Geschäftsführer sein. Die Vertretung der Gesellschaft nach außen übernimmt ausschließlich der Geschäftsführer.

Die Wahl der richtigen Rechtsform ist aufgrund der vielfältigen Alternativen nicht einfach und bedarf sorgfältiger Planung und vor allem sachkundiger Hilfe. Allgemeingültige Aussagen lassen sich nicht treffen. Es ist immer die konkrete Interessenlage der an der Handelsvertretung beteiligten Personen zu berücksichtigen.

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